Ohn-(e) Macht im bürgerschaftlichen Engagement?

Macht nehmen, Macht haben, Macht geben

Für über 40 bürgerschaftlich und hauptamtlich in der Seniorenarbeit Engagierte aus Dreieich, Rödermark, Langen und Egelsbach war es an der Zeit, das Verhältnis von Kommunalpolitik, Stadtverwaltung, Ehrenamt und bürgerschaftlichem Engagement auf den Prüfstand zu stellen. Wie sehen diese Beziehungen unter dem Aspekt: Macht nehmen, Macht haben, Macht geben, aus?

Die Finanzen der Kommunen sind knapp. Viele Städte und Gemeinden stehen unter dem Schuldenschirm und müssen alle freiwilligen Leistungen auf den Prüfstand stellen. Für die Aufrechterhaltung der kommunalen, sozialen Standards gewinnen Ehrenamt, bürgerschaftliches Engagement und Vereine immer mehr an Bedeutung. Damit wächst auch ihr gesellschaftlicher Einfluss.

Was bedeutet eigentlich MACHT?

„Für mich war MACHT sehr diffus und ich hatte auch keine rechte Vorstellung über den Ablauf dieses Seminars. Doch im Laufe der drei Tage wurde das wesentlich konkreter, der negative Beigeschmack wurde kleiner und ich entdeckte schillernde Facetten. MACHT hat auch Gutes, Zielführendes, um gestalten zu können.“

Gefühle von Macht und Ohnmacht haben großen Einfluss auf das Verhalten der Handelnden. Die Ausführungen der Referentin Zita Küng (Organisationsentwicklerin, Zürich) und die Diskussion der Machtquellen „Person“ und „Position“ sowie die Differenzierung in 7 Machtbasen: Information, Beziehungen, Expertise, Anerkennung, Sanktionen, Körper und Erotik sowie Definitions- und Deutungsmacht, waren der Zugang, um ein klares Verständnis von MACHT zu entwickeln.

MACHT im bürgerschaftlichen Engagement?

„Ich hätte nicht gedacht, dass wir eine solch machtvolle Gruppe sind!“ Diese Einschätzung konnte von allen geteilt werden, die einen Blick auf das gemeinsam erstellte Machtprofil warfen.

Die Referentin Gerlinde Wehner (Koordinatorin Leitstelle Älter werden, Kreis Offenbach) zeigte ausgehend vom 1. Altenplan bis hin zum 7. Altenbericht der Bundesregierung die sich verändernden Antworten auf gesellschaftliche Herausforderungen im Bereich der Versorgungsinfrastruktur und der Engagementförderung. Anhand von sich abzeichnender Trends (demografisch, ökonomisch, interkulturell etc.) wurden Konsequenzen für das Dreiecksverhältnis von Politik, Verwaltung und Bürgerschaft diskutiert (Veränderung von Machtverhältnissen, von Arbeitsstrukturen usw.). Die Teilnehmenden setzten sich mit provokanten und zukunftsweisenden Fragen auseinander:

  • Ist das Bild des aktiven Alterns eine Zumutung? Eine Folge des Neoliberalismus?
  • Kann Partizipation soziale Ungleichheit verschärfen?
  • Wie kann die finanzielle Basis für „sorgende Gemeinschaften“ gesichert werden?

Mit MACHT im bürgerschaftlichen Engagement: Mit wem, was, wozu, wie und bis wann?

Diese Fragen wurden anhand konkreter Situationen in fünf Themengruppen bearbeitet: Die AG „Quartier und Wohnen“ befasste sich mit der Frage, wie die Leitungsnachfolge einer Selbsthilfegruppe geregelt werden könnte. Ebenso wurde überlegt, wie eine Wohngruppe nach dem Tod eines Mitbewohners mit dem Verlust umgehen wird.

In der AG „Seniorenlotsen“ als auch in der AG „Begegnung, Freizeit, Kultur“ wurden Überlegungen angestellt, wie die Angebote besser bekannt gemacht werden könnten.

„Wie gehen wir vor, wenn wir einen Bürgerverein gründen wollen?“ – so lautete die Themenstellung der AG „politisches Engagement“ und „Wie sehen die Machtverhältnisse zwischen Gästen und Gastgebenden bei uns in der Demenzgruppe aus?“ dies die Frage der AG: „Demenz“.

Sie sind interessiert?

Wenn auch SIE interessiert sind, Fragen der MACHT in Ihrem gesellschaftlichen Umfeld zu analysieren, so kontaktieren Sie bitte: stephanie.boehm@frankenwarte.de.

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