5. Kooperationsseminar in der Akademie Frankenwarte

Kooperationsseminar

Bereits das fünfte Kooperationsseminar mit dem Verein „Freunde von Neve Shalom/Wahat al Salam“ fand vom 15. bis 17. April 2016 in der Akademie Frankenwarte Würzburg statt und befasste sich diesmal dezidiert mit dem Themenkomplex: Die Palästinenser in den von Israel besetzten Gebieten: Alltag zwischen Verzweiflung und Hoffnung.

Aus dem Friedensdorf Neve Shalom/Wahat al Salam angereist war Umar Al-Ghubari, Initiator der NGO "Zochrot", der vom gelingenden Zusammenleben der arabischen und jüdischen Bewohner/innen des Friedensdorfes berichtete. Leider nach wie vor ein einzigartiger Ort des Zusammenlebens in Israel, auch wenn die jahrzehntelange friedenspädagogische Arbeit weit ausstrahlt und weltweit geschätzt und unterstützt wird.

Ein womöglich zukunftsweisendes psychologisches Modell der "vollkommenen Autorität" stellte Tareq Miari, Psychologe aus Ost-Jerusalem vor: "So könnten Juden und Palästinenser lernen, sich gegenseitig zu respektieren – natürlich nicht als "Sofortprogramm". Aber politisches Verhandeln alleine führt offensichtlich nicht zu Frieden." Bedrückend waren die Schilderungen über die Lebensbedingungen in der Westbank, Ostjerusalem und dem Gaza-Streifen, die Ala Nusseibeh und Ahmed Sukker vortrugen.

Im Gespräch mit Dr. Sara Husseini, Beraterin der Leiterin der Palästinensischen Mission in Berlin wurden Optionen aufgezeigt und diskutiert, die zu Verbesserungen führen könnten; in wie weit diese umzusetzen sind, blieb zwangsläufig aufgrund der gegenwärtigen Situation sehr fraglich.

Einblicke in die innenpolitische Lage Israels, in die Debatten unterschiedlicher jüdischer gesellschaftlicher Gruppierungen sowie in die Situation der Palästinenser/innen im Staat Israel gaben Judith Bernstein und Dr. Reiner Bernstein. Auch diese Schilderungen führten zu pessimistischen Einschätzungen bei den Teilnehmenden. "Beide Seiten brauchen Sicherheit" – so das Fazit des Seminars. Sowie: "Eigentlich geht es gar nicht mehr um eine Ein- oder Zwei-Staaten-Lösung. Es geht längst darum, eine Katastrophe auf beiden Seiten zu verhindern". Stets mit im Fokus stand das Verhältnis "Deutschland – Israel" und die Frage, in wie weit Kritik möglich und nötig sei. "Wer ein Freund des israelischen Staates ist, sollte versuchen, Einfluss zu nehmen", so ein weiteres Fazit.

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