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"Frauen und Kinder zuletzt!?"

Oder: Was lernen wir aus der Corona-Pandemie? Lesung und Diskussion am Internationalen Frauentag

Nach drei Jahren Corona-Pandemie war es aus Sicht des Würzburger Frauenbündnis zum Internationalen Frauentag nötig, mit Autorin Sabine Rennefanz Bilanz zu ziehen. „Frauen und Kinder zuletzt. Wie Krisen gesellschaftliche Gerechtigkeit herausfordern“, so der Titel des Buches, in welchem viele Facetten der Pandemie beleuchtet werden.

Corona hat nicht nur die Gesundheit der Menschen angegriffen und Gesellschaft und Politik auf eine harte Probe gestellt. Auch wenn das Virus alle treffen kann, so waren die Wirkungen längst nicht für alle die gleichen. "Die Arbeit von Männern wurde als systemrelevant eingeordnet, die von Frauen nicht. Die im Grundgesetz verankerte Gleichheit aller wurde über Bord geworfen", meint Sabine Rennefranz und ergänzt: "Krisen gehen zu Lasten von Frauen, Kindern und vor allem Alleinstehenden; die ökonomische Unabhängigkeit als Schlüssel zur Gleichberechtigung gerät mehr und mehr unter Druck.“ Rennefanz berichtete dabei auch von ihren eigenen Erfahrungen als Mutter zweier Kinder und warf die Frage auf, warum die psychische Belastung bei der Organisation von Care-Arbeit nur ein Problem von Frauen zu sein scheint und Väter zumeist ihre eigene Rolle in Haushalt und Kinderbetreuung überschätzen. Stefanie Frahsek von der städtischen Erziehungsberatungsstelle berichtete von ihren Erfahrungen: „Wir haben zu tun mit sozial ängstlichen Jugendlichen, solchen, die nicht mehr in die Schule gehen, mit Gaming-Sucht oder Sinnkrisen infolge weltweiter Kriege und Konflikte, die zeitlich ineinander übergehen.“ Und ihr dringender Appell: „Wäre es nicht längst an der Zeit, den Kindern und Jugendlichen zu danken, die sich größtenteils sehr verantwortungsbewusst verhielten und es nicht dabei zu belassen, dass aus heutiger Sicht viele der Einschränkungen gar nicht hätten sein müssen?“

Frauenleben ist vielfältig und gerade die Folgen der Pandemie dürfen nicht ausschließlich aus der Perspektive weißer Frauen mit halbwegs guten Einkommen betrachtet werden. Dazu gaben zwei Akteurinnen der interkulturellen Frauenarbeit Einblicke in das Integrationsprojekt Blickpunkt. Miram Ahmed und Ghada Jebali schilderten, wie die Mitwirkung im Projekt die Stärkung und Sichtbarmachung von Frauen mit Migrationshintergrund befördert und zugewanderte Frauen empowert, sich international miteinander zu vernetzen und gesellschaftspolitisch zu engagieren. Für Rennefanz hat die Krise Frauen politisiert und es werden mehr und mehr kritische Fragen gestellt, in der Familie, bei der Arbeit und an die Politik. „Manches kommt nicht mehr zurück, und vielleicht ist das nicht das Schlechteste“. Ihr Wunsch: Ein Wahlrecht für alle, das auch Kinder einbezieht, wird für mehr Generationengerechtigkeit sorgen.

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