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Ein Tag im Zeichen unserer Werte

An deutschlandweiter Aktion der Bundeswehr beteiligte sich das Fernmeldebataillon 10 Veitshöchheim - gemeinsam mit der Akademie Frankenwarte.

„Für einen hohen Einsatzwert braucht das Heer gute Führung auf allen Ebenen. Es braucht Soldatinnen und Soldaten, die auf einem gemeinsamen Wertefundament gemeinsam und entschlossen dienen“, so heißt es in einer Handreichung der Heeresführung für Disziplinarvorgesetzte. Und um diesem Auftrag gerecht werden zu können, sei eine wirksame und nachhaltige Persönlichkeitsbildung entscheidend. Deshalb hat die Bundeswehr den 23. Februar 2022 zum Tag im Zeichen unserer Werte ausgerufen. Das Fernmeldebataillon 10 aus Veitshöchheim und die Würzburger Akademie Frankenwarte ließen diesen Worten Taten folgen – dies ganz im Bewusstsein der besorgniserregenden Entwicklungen in der Ukraine. 

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Bild:Was ist diskriminierend? In der Gruppe erarbeiten die Fernmeldesoldaten, anhand welcher Merkmale Menschen unbewusst eingeordnet werden (Foto: Leutnant René Mühlfelder)
Was ist diskriminierend? In der Gruppe erarbeiten die Fernmeldesoldaten, anhand welcher Merkmale Menschen unbewusst eingeordnet werden (Foto: Leutnant René Mühlfelder)

120 Soldatinnen und Soldaten befassten sich gemeinsam mit den Referenten der Akademie Frankenwarte mit Fragen rund um die Werte ihres Berufs: Wofür dienen wir, und wie gut kenne ich meine Kameradinnen und Kameraden? Was bedeuten Soziale Medien für mich, meinen Dienst und meinen Arbeitgeber? Zudem standen gesamtgesellschaftliche Phänomene wie gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, (Rechts-)Radikalismus und die Rolle rechter Plattformen und Netzwerke auf der Agenda. Wie verhalte ich mich, wenn sich Kameraden oder Vorgesetzte diskriminierend, verfassungsfeindlich oder rassistisch äußern? Und was, wenn das auch noch im militärischen Einsatz passiert, wo das Außergewöhnliche schnell zur Normalität wird? „Haltung zeigen, Zivilcourage und Solidarität mit Betroffenen sind wesentlich für unser demokratisches Zusammenleben“, erklärte die Leiterin der Akademie Frankenwarte, Stephanie Böhm.

Bundeswehr als streitbarer Teil unserer Gesellschaft

Sehr interessiert verfolgten die Soldatinnen und Soldaten die Ausführungen über rechtspopulistische und rechtsextreme Bewegungen und über die Auftritte rechter Vordenker im weltweiten Netz. „Auch bei den heutigen rechten Plattformen bleibt das große Ziel die Normalisierung rechter Positionen“, erläuterte die Expertin für Rechtsextremismus, Birgit Mair. „Durch ständige (Falsch-)Berichterstattung können extrem rechte Positionen in die öffentliche Debatte einsickern.“ Das Spannungsfeld zwischen Privatem und Beruf sei gerade im Verfassungsorgan Bundeswehr ein schwieriges, weswegen es dort längst eigene Richtlinien für das Social-Media-Verhalten von Bundeswehrangehörigen gibt. „Gerade in einer Parlamentsarmee kann niemand wollen, dass Sie sich als Soldat der Bundeswehr in Ihr Schneckenhaus zurückziehen, keine Meinung haben oder Ihre Meinung nicht mehr äußern“, sagte der Medienexperte Simon Moritz. Doch Soldaten sind auch mit ganz anderen Problemen konfrontiert, wie sich in der Diskussionsrunde zeigte. So schilderte ein Soldat seine Wahrnehmung: „Wenn ich am Bahnhof in meiner Uniform stehe, muss ich ständig damit rechnen, beschimpft oder sogar körperlich angegriffen zu werden, ohne dass Passanten einschreiten. Da frage ich mich dann, ob sich unsere Gesellschaft jemals richtig zur Bundeswehr bekennen wird.“ 

Für Stephanie Böhm, Leiterin der Akademie Frankenwarte, war dieser Tag gleichfalls ein ganz besonderer: „Mich beeindruckte das große Interesse und die vielen engagierten Äußerungen in den Diskussionen. Solch ein Beispiel darf gerne auch außerhalb der Bundeswehr Schule machen: Ein gemeinsam erlebter Tag der Werte würde sicherlich allen Bürgerinnen und Bürgern guttun!“ Der Kommandeur des Fernmeldebataillons 10, Oberstleutnant Jan Mosel, zog am Ende des Tages ein ebenso positives Resümee. Die Soldaten hätten den fachlich äußerst versierten Referentinnen und Referenten sehr interessiert zugehört. „Es freut mich zu sehen, wie engagiert sie sich über alle Dienstgrade hinweg mit guten Diskussionsbeiträgen und Fragen in die Workshops eingebracht haben“, sagte Mosel. Mit dem Tag im Zeichen unserer Werte sei somit eine solide Grundlage für die weitere Beschäftigung mit dem Thema Werte gelegt worden. Mosel denkt schon an weitere Veranstaltungen im Bataillon, die er in die Verantwortung der jeweiligen Vorgesetzten legen will.   

Die Akademie Frankenwarte ist Partnerorganisation des Netzwerks politische Bildung in der Bundeswehr, einer gemeinsamen Initiative der Bundeszentrale für politische Bildung, des Zentrums Innere Führung und anerkannter Träger der politischen Bildungsarbeit. Interessierte Einheiten können für gemeinsame Veranstaltungen gerne Ihre Themenwünsche an uns richten.

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