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Aktuelles aus der Frankenwarte

Mehr als Grün und Guinness: ÉIRE

Eindrücke vom 42. Länderabend von Akademie Frankenwarte und Ausländer- und Integrationsbeirat.

Irland – wer denkt da nicht an Schafe, Kleeblätter, Whiskey oder dunkles Bier? Jenseits der vielen Klischees ist die lange und reiche Geschichte des Landes auch geprägt von Unterdrückung und Enteignung, Armut und Hunger, Wanderungsbewegungen und Freiheitskämpfen. Im Jahr 2023, zur 100-jährigen Mitgliedschaft Irlands im Völkerbund, zur 50-jährigen Mitgliedschaft in der EU und 25 Jahre nach dem Karfreitagsabkommen fragten wir uns und die Teilnehmenden: was wissen wir eigentlich über Irlands Geschichte, Kultur und Sprache?

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Martin Wall von der Irischen Botschaft spricht beim Länderabend Irland von Akademie Frankenwarte und Ausländer- und Integrationsbeirat in der Behr-Halle des Würzburger Rathauses.

Beim 42. Länderabend von Akademie Frankenwarte und Würzburger Ausländer- und Integrationsbeirat informierte Martin Wall von der Irischen Botschaft über die aktuelle Lage auf der „Grünen Insel“ und die deutsch-irische Freundschaft. Diese, so Wall, sei „wichtig in der heutigen Welt, in der die Schwierigkeiten und Krisen der letzten Jahre - sei es die Pandemie, der Krieg in der Ukraine, die Energiekrise oder, noch grundlegender, die existenzielle Herausforderung des Klimawandels - uns allen vor Augen führen, wie sehr unsere Schicksale miteinander verwoben sind. Irland ist zwar eine Insel, aber eine, die schon immer in die Welt hinausgeschaut hat. Unsere Geschichte ist ein Teil der europäischen und globalen Geschichte. Das tun wir auch weiterhin, trotz dieser Herausforderungen.“ Wall ging zudem darauf ein, dass die Beziehung zwischen Irland und Würzburg mit dem Stadtpatron, dem Heiligen Kilian begonnen hat.

Heutige Eindrücke von Irland in Deutschland seien deutlich geprägt "durch die großartigen Werke von Reiseschriftstellern in den letzten 150 Jahren", am bekanntesten: Heinrich Böll und sein Irisches Tagebuch mit seinem starken Fokus auf Religion, Armut und Emigration. Mit dem 50jährigen Bestehen der irischen EU-Mitgliedschaft aber steht nun der transformative Charakter Irlands im Vordergrund - von einer armen, weitgehend ländlichen Wirtschaft hin zum Nettobeitragszahler in den EU-Haushalt, der in Frieden mit seinen direkten Nachbarn Nordirland und Großbritannien leben kann. In Bezug auf den sozialen Wandel betonte Wall die enorm hohe Beschäftigungsquote von Frauen in Wissenschaft und Technik, oder auch bei Inklusion und Gleichstellung. So war Irland 2015 das erste Land der Welt, das in einem Referendum die gleichgeschlechtliche Ehe legalisierte.

Irland: Bunt, modern, kosmopolitischZudem hat das Land dramatische demografische Veränderungen erlebt. Im Jahr 1961 hatte Irland gerade einmal 2,8 Millionen Einwohner, heute mehr als fünf Millionen. "Einer der Gründe für dieses Bevölkerungswachstum ist die erfreuliche Zunahme der Vielfalt unserer Bevölkerung. Aus dem homogenen, sozial konservativen Land, hat sich Irland zu einem bunten, kosmopolitischen Land der Möglichkeiten für Bürger aus der gesamten Europäischen Union und darüber hinaus entwickelt", sagte Wall. Die irische Wirtschaft sei zudem eine hochentwickelte und offene Wissenswirtschaft, die sich auf Dienstleistungen in den Bereichen Hightech, Biowissenschaften, Finanzen und Agrarwirtschaft konzentriert und habe die Handelsbeziehungen zu Deutschland deutlich verstärkt. "Irland ist bereit, in Zukunft einen wichtigen Beitrag zur europäischen Energiesicherheit zu leisten", betonte Wall. "Unser maritimes Gebiet ist siebenmal größer als unsere Landmasse, und die Regierungsprognosen für das Offshore-Windpotenzial sehen 37 Gigawatt vor." Zum Abschluss seiner Ausführungen zeigte sich Wall erfreut darüber, dass Irland im nächsten Jahr ein neues Generalkonsulat in München eröffnen werde. Das sei eine Anerkennung für die engen gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Beziehungen zwischen Irland und Bayern.
 
Den jahrhundertelangen Austausch zwischen Irland und dem europäischen Festland seit dem Mittelalter konnten die Besucherinnen und Besucher des Länderabends auch anhand der Ausstellung Irland und die Geburt Europas erkunden. Die lebendige Verbindung, die Würzburg mit der Stadt Bray und der Grafschaft Wicklow unterhält, beschrieben Matthias Fleckenstein als Vorsitzender der Deutsch-Irischen Gesellschaft Würzburg sowie Michael Kopriva vom Büro Würzburg International. Und für besonders gute Laune und Bewegung bei den Gästen sorgten nicht zuletzt das Quiz mit Colette Steder und Emma Phelan sowie Irischer Tanz mit José F. Sánchez und Band samt Tänzerin Theresa Oelsner.

Der Beitrag von Martin Wall zum Download (deutsch und englisch) auf der Website des Ausländer- und Integrationsbeirats

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