Neue Wege der Arbeitsteilung

Wenn Papa sich um die Karriere kümmert und Mama einen Minijob hat

... dann entspricht diese Aufteilung dem traditionellen Rollenmodell. Doch mittlerweile sind auch „Neue Wege der Arbeitsteilung zwischen Frauen und Männern“ denkbar und nicht mehr in weiter Ferne.

Hierzu gab es am 02. April 2014 im Landratsamt Würzburg einen Fachtag, den die Akademie Frankenwarte im Würzburger EPD-Bündnis anregte. Finanziell gefördert wurde die Veranstaltung von der Bundesgeschäftsstelle Entgeltgleichheit. Eingeladen waren Christina Schildmann vom Forum Politik und Gesellschaft der Friedrich-Ebert-Stiftung Berlin sowie Dr. Thomas Gesterkamp, Journalist und Buchautor aus Köln. Die Moderation übernahm Stephanie Böhm, Akademie Frankenwarte und Evelyn Bausch, Frauenreferentin der KAB, Katholische Arbeitnehmer Bewegung.

Christina Schildmann referierte zum Thema „Eckpunkte für eine geschlechtergerechte Gestaltung der Vereinbarkeit von Beruf und Pflege“ und betonte, dass die Debatten um die Pflege selten aus der Gender-Perspektive geführt werden. Drei Leitlinien für eine geschlechtergerechte Gestaltung der Pflege wurden vorgestellt und das „1000-Stunden-Pflegebudget“.

Die Präsentation „Pflegebudget“

Darüber hinaus stellte Schildmann das vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung entwickelte Modell der Familienarbeitszeit vor. Die Familienarbeitszeit soll es Müttern wie Vätern ermöglichen, mit einem angemessenen Einkommen auch ausreichend Zeit für Familie und Kinder aufbringen zu können. Hierzu wurde das Verfahren für eine Lohnersatzleistung entwickelt.

Die Präsentation „Familienarbeitszeit“

Die Studie: „Familienarbeitszeit – Wirkungen und Kosten einer Lohnersatzleistung bei reduzierter Vollzeitbeschäftigung“ der Friedrich-Ebert-Stiftung und der Hans Böckler Stiftung finden Sie unter: http://library.fes.de/pdf-files/dialog/10335.pdf

Dass auch das männliche Rollenbild längst im Wandel sei, betonte Dr. Thomas Gesterkamp. Männer betrachteten sich nicht mehr als alleinige Ernährer, wollten aber dennoch nicht auf die berufliche Identifikation verzichten. Statt sie zu kritisieren und zu bemängeln, sollte frau sie ermuntern. So könnte aus dem Arbeitsmann ein „ganzer Mensch“ werden. Und zu Hause: aus dem Assistenten ein Teilhaber. Denn auch Männer hätten ein Vereinbarkeitsproblem! Hinweise zu den Büchern von Gesterkamp finden Sie unter www.thomasgesterkamp.de

Die Vorträge wurden von den Besucherinnern und Besuchern, die überwiegend in Beratungsstellen und Gleichstellungsbüros arbeiten, mit großem Interesse wahrgenommen und boten Anlass für kontroverse Rückfragen und Diskussionen. So ergänzte eine Teilnehmerin im Hinblick auf das Modell der Familienarbeitszeit und das der Pflege: „Eigentlich müssten beide Modelle zusammen gedacht werden. Wir brauchen ein anderes Verständnis von Erwerbsarbeit, aber auch von Familienarbeit.“ Gabriele Rottmann-Heidenreich, Gleichstellungsbeauftrage im Landratsamt und EPD-Bündnis-Partnerin betonte abschließend: „Es ist doch offensichtlich, dass Handlungsbedarf besteht. Nichtstun kostet ebenfalls sehr viel Geld. Also suchen wir weiter nach Pionier_innen, damit neue Wege der Arbeitsteilung zwischen Frauen und Männern lebbar werden!“

(Bericht und Fotos: Christoph Röseler/Stephanie Böhm)

Weitere Informationen

Bücher von Thomas Gesterkamp

Präsentation „Pflegebudget“
Präsentation „Familienarbeitszeit“
Studie: „Familienarbeitszeit

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