35. Länderabend: Japan

Politik, Kultur und Kulinarisches

Der Länderabend über Japan fand am 26. Oktober 2017 in Kooperation mit der Volkshochschule Würzburg und dem Ausländer- und Integrationsbeirat der Stadt Würzburg in der Akademie Frankenwarte statt.

Bildungsreferentin der Akademie Frankenwarte, Amelie Scheder, begrüßte die Gäste, stellte das Abendprogramm vor und sagte einige einführende Worte zu Japan. Anschließend leitete sie in den politischen Teil des Abends über.

Prof. Dr. Anke Scherer von der Cologne Business School gab eine politische Übersicht über das „Land der aufgehenden Sonne“ und erklärte die politischen und gesellschaftlichen Diskurse, die es in Japan heute gibt. Der Vortrag drehte sich um Abe Shinzo, den amtierende Premierminister Japans. Dieser hat sich bei seinem Amtsantritt 2012 zur Aufgabe gemacht, die seit 20 bis 30 Jahren stagnierende Wirtschaft anzukurbeln. Der rechtskonservative Politiker, der der liberaldemokratischen Partei angehört, formulierte hierfür drei Pfeile: Der erste Pfeil steht für eine expansive Geldpolitik, der zweite für Konjunkturpakete und der dritte für Strukturreformen. Abe bemüht mit den drei Pfeilen ein in Japan bekanntes Narrativ, das für Zusammenhalt und Optimismus steht. Die positiven Auswirkungen der sog. Abenomics waren nur von kurzer Dauer, Scherer betonte allerdings, dass es auf die genauen Zahlen nicht ankäme: Es gehe um das Vertrauen und den Glauben in den wirtschaftlichen Aufschwung – wenn die Menschen glauben, der Wirtschaft gehe es gut, sind sie auch bereit, wirtschaftliche Risiken oder Verbindlichkeiten einzugehen. Von den Abenomics haben vor allem Exportunternehmen und die Tokioter Börse profitiert. Die Negativfolgen der Abenomics sind u.a. Staatsverschuldung und Lohnverfall. Die Unternehmen im Inland leiden zudem unter hohen Preisen für importierte Rohstoffe und der Anteil der prekär Beschäftigten an allen Arbeitnehmerinnen und -nehmern steigt seit Jahren. Nach seiner erneuten Wiederwahl 2015 verkündete Abe unter dem Titel „Abenomics 2.0“ drei neue Pfeile: Hoffnung, Träume und Sicherheit. Der Schwerpunkt liegt hierbei weiterhin auf Wirtschaftswachstum und auf dem Ausbau von Kinderbetreuungseinrichtungen und den Sozialsystemen.

Zuletzt ging die Zustimmung der Bevölkerung zu Abe zurück. Erst mit den verschärften Aggressionen des nordkoreanischen Führers Kim Jong-Un konnte er sich als starker Führer darstellen und wieder an Zustimmung gewinnen. Diesen Moment nutzte er um im Oktober 2017 Neuwahlen abzuhalten – mit Erfolg. Die LDP und ihr kleiner Koalitionspartner Komeito haben eine Zwei-Drittel-Mehrheit im Unterhaus des Parlaments und Abe ist weiterhin Premierminister. Prof. Scherer wies darauf hin, dass der für seine Wirtschaftspolitik bekannte Premier auf eine Verfassungsänderung hinarbeitet. Er möchte den pazifistischen Verfassungsartikel abschaffen, in dem Japan auf eine Armee und auf das Recht, einem anderen Staat Krieg zu erklären, verzichtet. Zum Ändern der Verfassung bräuchte die LDP jedoch auch eine Mehrheit im Oberhaus, die derzeit nicht besteht.

Japan hat wie viele Industriestaaten eine problematische demographische Entwicklung: Die Geburtenrate sinkt und die Lebenserwartung steigt. Dies führt zu einer Überalterung der Gesellschaft, die mehrere Probleme mit sich bringt: Pflegenotstand, Überlastung der Sozialsysteme und Fachkräftemangel. Der konservative Premierminister setzt sich mittlerweile für eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie ein. Sein Ziel ist es, weibliche Fachkräfte im Beruf zu halten und gleichzeitig die Geburtenrate zu steigern.

Der Ostasienexperte Dietmar Ebert moderierte nach dem Vortrag eine kleine Diskussions- und Fragerunde, in der die Gäste zu Wort kamen.

Anschließend ging es zum kulinarischen Teil des Abends über. Das Restaurant-Team der Akademie Frankenwarte servierte eine Auswahl an landestypischen Gerichten. Als Vorspeise gab es Sushi, anschließend eine Auswahl an japanischen Gerichten, unter anderem Teriyaki Lachs, Yakitori-Spieße und Chinakohl-Speck-Wickel an Reis. Als Dessert wurden Blütenblatt-Crêpes und Gelee aus grünem Teepulver serviert.

Als Abschluss des Abends trat die japanische Trommel-Gruppe Todoroki Wadaiko aus Würzburg auf. Die Gruppe hat sich auf Taiko spezialisiert. Taiko ist japanisch für „große Trommel“, bezeichnet aber gleichzeitig auch das Spielen dieser. Die Kombination aus Sport und Rhythmik hat in Japan eine jahrhundertelange Tradition. Die Trommeln wurden für religiös-rituelle Zwecke eingesetzt, aber auch in bewaffneten Auseinandersetzungen zur Einschwörung der eigenen und zur Einschüchterung der gegnerischen Truppen. Taiko als Unterhaltungsmusik ist dagegen erst relativ neu, erklärte Michael Röthlein, Gründer und Leiter der Gruppe. Mit rhythmischen Klängen endete der 35. Länderabend.

Weitere Informationen

Japanisches Menü für 4-8 Personen

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