Frauenstimmen in extremen Zeiten

1914 – 2014. Literatur, Tanz und Musik zum Internationalen Frauentag

Frauenstimmen in extremen Zeiten

Dieses Motto wählte das Würzburger Frauenbündnis für die Abendveranstaltung am 8. März 2014 im Theater am Neunerplatz. Da sich bereits im letzten Jahr abzeichnete, dass im besonderen Gedenk- und Erinnerungsjahr 2014 die Männerperspektive dominieren würde, war es das Ziel, mit dieser Veranstaltung Frauenstimmen Gehör zu verschaffen, die sonst ungehört bleiben würden.

Darüber hinaus sollte das Gedenken nicht im Jahre 1914 oder 1939 enden: Die Beiträge des zweiten Programmteils richteten den Blick auf den letzten Balkan-Krieg, nach Syrien, Äthiopien und in die Ukraine. Vor ausverkauftem Theater fanden 13 Würzburger Frauen wunderbare Wege, gesellschaftliche Rahmenbedingungen sowie Kriegs- und Gewalterfahrungen des „Jahrhunderts der Extreme“ zu thematisieren.

Den Auftakt setzte Gisela Schmidt mit der Lesung von Textauszügen aus dem 1914 geschriebenen Buch der Würzburgerin Marie Wegrainer und Mutter von Leonhard Frank: „Der Lebensroman einer Arbeiterfrau“. Ein musikalischer Beitrag von Claire Waldoff und Gedichte von Mascha Kaleko (vorgetragen von Heike Mix) und Briefauszüge und Gedichte von Marianne Rein, einer Würzburger Jüdin (neu aufgelegt und vorgetragen von Rosa Grimm) leiteten über in die Zeit des Nationalsozialismus und des Holocaust. Die Folgen persönlicher Kriegserlebnisse für das weitere Leben einer Frau thematisierte das von Charlotte Breyer geschriebene und von ihr und Heike Mix vorgetragene Zwiegespräch „Aber ich rauche“, Alma, 90 Jahre alt, erklärt warum“. Heike Richartz zeigte in dem von ihr verfassten und vorgeführten Psychodrama: „Was hast Du mit mir zu tun? Hommage an eine Großmutter“, wie die großen Lebensleistungen der Frauen, die zwei Weltkriege erlebten, das feministische Bewusstsein und Engagement nachfolgender Frauengenerationen prägen. Die Frauenband „SLTSCH!“ trug mit eigens für diesen Abend geschriebenen musikalischen Beiträgen auf ihre ganz eigene sympathische Weise dazu bei, die Stärken der Frauen zu betonen. Jenen historischen Frauen, die „hinten runter gefallen“ sind, war die beeindruckende TanzTextPerformance von Lisa Kuttner und Bettina Schmitz gewidmet.

Sehr berührend war das Gespräch zwischen Natali Soldo-Bilac und Maja, beide Frauen Kroatinnen, die den letzten Balkan-Krieg in Sarajevo bzw. Mostar erlebten. Normalerweise sind die Kriegserlebnisse dieser Frauen sowie vieler weiterer Frauen mit ähnlichen Erlebnissen, die in Würzburg leben, kein Gesprächsthema. Doch dieser Beitrag hat womöglich eine Türe für Gespräche und für neues Engagement eröffnet. Sarah Hasselbarth, die in einem syrischen Flüchtlingscamp arbeitete, führte das Publikum mit der von ihr geschriebenen Geschichte „Yosra“ in eine fremde Welt, die parallel zu unserer Lebenswirklichkeit existiert.

Tirunesh Feyessa Namaga, seit 16 Monaten in Deutschland und derzeit in der Nahe bei Würzburg gelegenen Gemeinschaftsunterkunft wohnhaft, erhob stellvertretend für äthiopische Frauen ihre Stimme. Für Frauen in einem Land, in dem sie nach wie vor Willkür und Gewalt aufgrund ihres Geschlechts ausgesetzt sind. Doch der Mut einzelner Frauen und insbesondere das internationale Ansehen der großartigen äthiopischen Sportlerinnen bestärkt Tirunesh, einen anderen Weg zu gehen.

Umrahmt wurde das Bühnenbild mit Werken interessanter Würzburger Künstlerinnen (zusammengestellt von Maria Anna Foohs). Im Vorfeld der Veranstaltung und im Hintergrund wirkten viele weitere engagierte Frauen des Bündnisses, stellvertretend genannt seinen Karin Dauer und Susanne Neubauer von ver.di und Stephanie Böhm, Akademie Frankenwarte.

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Beitrag Tirunesh Feyessa Namaga
Beitrag Sarah Hasselbarth
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