Das neue Präventionsgesetz

Auftaktveranstaltung

Chancen und Risiken für Prävention und Gesundheitsförderung

Als Kooperationspartner für diese Impulsveranstaltung konnte die Gesundheitsregionplus Stadt und Landkreis Würzburg gewonnen werden.

Zu Beginn stellte Severin Schmidt, Leiter des Gesprächskreises Sozialpolitik der Friedrich-Ebert-Stiftung, die Genese des Gesetzes, Ziele und Maßnahmen vor sowie die bislang vorgebrachten Meinungen und Kritikpunkte zum Gesetz.

Hier geht es zur Präsentation von S. Schmidt (PDF)

Anschließend folgten die Statements der eingeladenen Podiumsgäste:

Für Sabine Dittmar, MdB, Mitglied des Gesundheitsausschusses und stellvertretende gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, ist es „gut, dass wir das Gesetz nun endlich haben. Aber ich sehe es mit einem lachenden und einem weinenden Auge“. So bemängelte sie insbesondere die Finanzierungsart und die Schwerpunktsetzung, die auf der Verhaltensprävention und nicht auf der Verhältnisprävention liege. „Eine Weiterentwicklung wird kommen.“

Podiumsgäste

Martin Heyn, Leiter des Zentrums für Prävention und Gesundheitsförderung Bayern, verwies auf die lange Tradition im Bereich der Prävention in Bayern. Für ihn kommt es nun auf die Umsetzung des Gesetzes an: „Gesundheitsförderung muss in den kommunalen Lebenswelten umgesetzt werden, in Kitas, Schulen bis hin zu Pflegeheimen. Der Öffentliche Gesundheitsdienst ist ein guter Partner“. Besonderen Handlungsbedarf sieht er im Bereich „gesundheitliche Chancengleichheit“.

Für Dr. Annette Scheder, Bereichsleiterin Gesundheitsförderung AOK Bayern sind „noch viele Fragen offen, aber das Gesetz bringt auch einiges Gutes“. Sie befürwortet, dass nicht-betriebliche Lebenswelten stärker in den Fokus genommen werden, KMUs besondere Beachtung finden und sie hat hohe Ansprüche an die Qualität des alle vier Jahre erscheinenden Präventionsberichtes. Auch sie kritisiert wie Dittmar die ausschließliche Finanzierung über die Krankenkassen.

Aus Sicht von Oliver Freitag, IHK Würzburg-Schweinfurt, ist es „bedauerlich, dass für Prävention ein Gesetz nötig ist. Die Verantwortung liegt im häuslichen Umfeld. Am Schluss der Kette stehen die Betriebe. Verhaltensweisen sind dann längst gefestigt“. Trotzdem sieht auch er viele Vorteile im Betrieblichen Gesundheitsmanagement, da es die Motivation der Mitarbeitenden fördere und zu einem guten Betriebsklima beitrage.

Diskussionsrunde

In der anschließenden Diskussionsrunde betonte ein Mediziner die hohe Relevanz von Vorsorge-untersuchungen und forderte eine allgemeine Impfpflicht ein. Es wurde reflektiert, wie Zielgruppen angesprochen werden könnten, die nicht über Kitas oder Betriebe erreicht werden: „Dieses Klientel wird wohl kaum über den Wettbewerbsgrundgedanken der Krankenkassen zu erschließen sein“, so ein Psychologe. „Wir kommunalpolitisch Aktiven werden austesten, welche neuen Möglichkeiten uns das Gesetz bringt“, so das Fazit einer Gemeinderätin und ehemaligen Abgeordneten, nach vielen Fragen, wo nun letztendlich welche Fördermöglichkeiten abgerufen werden können. Ebenso wurden auch die Verhältnisse in den Betrieben thematisiert: Gesundheitsbewusste Führung, Wertschätzung der Mitarbeiter/innen, Vereinbarkeitsmöglichkeiten und Arbeitszeitmodelle – all dies müsse als Präventivmaßnahme mitgedacht und umgesetzt werden.

Zuletzt stand eine besondere Frage im Raum: „Was ist mit jenen, die nicht gesund leben? Bekommen sie trotzdem eine liebevolle Begleitung und Betreuung? Steckt im Gesetz eine moralische Verpflichtung?“ Hierauf antwortete Martin Heyn: Unser Ziel ist die „informierte Entscheidung“ des Bürgers. Wir wollen bestmögliche Bedingungen schaffen für gesundheitsfördernde Entscheidungen.“

Die Umsetzung des Präventionsgesetzes ist und bleibt spannend und sollte unbedingt weiterverfolgt und mitgestaltet werden – im Interesse aller!

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