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Frau Vater

Wir sprechen über Equal Pay und Geschlechterrollen mit Filmemacherin Barbara Trottnow, und schauen ihre Dokumentation über das Schicksal der Maria Einsmann. Die zog nach dem Ersten Weltkrieg Männerkleider an, um Arbeit zu finden.

frauvater

So geschehen in Mainz, in den Jahren 1919 bis 1931. Zwölf Jahre lang fiel niemanden auf, dass der fürsorgliche Familienvater Joseph Einsmann in Wahrheit eine Frau war und Maria hieß. Nach Ende des Ersten Weltkriegs wurde Maria Einsmann aus einer Munitionsfabrik entlassen. Zusammen mit ihrer Freundin Helene Müller ging sie nach Mainz, um dort neu anzufangen. In ihrem Gepäck befand sich der Anzug ihres Mannes Joseph, den sie bezahlt und deshalb bei der Trennung mitgenommen hatte. Als die beiden Frauen dann in der Jackentasche seine Papiere fanden, kamen sie auf die Idee, dass Maria seine Identität annimmt. So fand sie leichter Arbeit und eine Wohnung für die beiden. Sie gaben sich als Ehepaar aus, und als Helene in dieser Zeit zwei Kinder bekam, übernahm Maria Einsmann auch die Vaterrolle.

Wie weit Frauen für Arbeit gehen (müssen)

1934 hat Anna Seghers diese wahre Begebenheit zu einem Drehbuch verarbeitet. Teile daraus wurden 1995 erstmals verfilmt in „Katharina oder: Die Kunst Arbeit zu finden“. Nun hat Filmemacherin Barbara Trottnow die damals gedrehten Szenen mit Aussagen von Zeitzeuginnen ergänzt. Eine kann sich noch an Maria Einsmann erinnern, ihrer Großmutter gehörte das Haus, in dem die Familie lebte: „Alle haben gedacht, das sei ein Mann!“ Die Enkeltochter von Helene Müller erzählt, dass Maria Einsmann nach der Enttarnung immer „die Tante“ genannt wurde, die weiter für die Kinder gesorgt hat. Und es wird gefragt, ob Frauen wirklich so weit gehen müssen, um Arbeit zu finden und einen fairen Lohn zu bekommen?
Filmgespräch am 9. JuniDer Film Frau Vater - Die Geschichte der Maria Einsmann hatte am 10. März 2021 Premiere - am Equal Pay Day. Dieser markiert symbolisch den geschlechtsspezifischen Entgeltunterschied, der aktuell in Deutschland 19 Prozent beträgt. Maria Einsmann hatte 1919 die Idee, als Mann zu arbeiten. Als Frau konnte sie keine Arbeit finden, und wenn doch, wäre diese schlechter bezahlt gewesen. Ausgefallene Ideen waren damals gefragt, sind es aber offenbar auch heute noch. 

Darüber spricht die Leiterin der Akademie Frankenwarte Stephanie Böhm bei unserem Filmgespräch am 9. Juni ab 18 Uhr mit: 

  • Filmemacherin und Produzentin Barbara Trottnow
  • Sonja Ratzinger, Gleichstellungsbeauftragte Interner Service der Agentur für Arbeit Nürnberg
  • Claudia Köster, Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt der Agentur für Arbeit Nürnberg

Die Veranstaltung ist eine Kooperation der Friedrich-Ebert-Stiftung, Regionalbüro Rheinland-Pfalz/Saarland, der Agentur für Arbeit Nürnberg und der Akademie Frankenwarte. Anmeldungen über die Friedrich-Ebert-Stiftung oder über die Mail-Adresse mainz@fes.de.

Die Dokumentation "Frau Vater - Die  Geschichte der Maria Einsmann" kann auch über das Videoportal vimeo gekauft und gestreamt werden.

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