Aktuelles aus der Frankenwarte

Trägerverein beantragt Insolvenzverfahren

Der Vorstand der Gesellschaft für Politische Bildung e.V. (GfPB) hat einen Insolvenzantrag wegen drohender Zahlungsunfähigkeit eingereicht. Ob die Akademie Frankenwarte nach dem Ende des Katastrophenfalls in Bayern zur Eindämmung der Corona-Pandemie den Betrieb nochmals aufnehmen kann, ist ungewiss.

Wir arbeiten intensiv an einer Fortsetzung unseres Programms und an einer Zukunft für die politische Bildung in der Region Würzburg.

Bereits seit einigen Jahren war die finanzielle Situation der GfPB angespannt. Trotz enormer Einnahmensteigerung und Ausgabensenkung konnte die Finanzierungslücke letztlich nicht geschlossen werden, die nach dem Wegfall der langjährigen Fördermittel durch die Friedrich-Ebert-Stiftung entstanden war. Das gesamte Jahr 2019 hindurch hatten Vereinsvorstand der GfPB und die Geschäftsführung der Akademie Frankenwarte immense persönliche, zeitliche und planerische Ressourcen investiert, um ein neues Standbein für das Bildungshaus aufzubauen. „Die gesellschaftspolitische, fachliche und sprachliche Qualifizierung ausländischer Pflege-Fachkräfte wäre ein für die Region und die Akademie Frankenwarte zukunftsweisendes Projekt gewesen. Es konnte aber aus verschiedenen Gründen nicht rechtzeitig und wie zunächst geplant realisiert werden“, erläutert Gerhard Hartmann, der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der GfPB.

Die Verunsicherung durch die Corona-Pandemie hat die finanzielle Lage weiter verschlechtert. Bereits seit Anfang März gingen bei der Akademie Frankenwarte massive Buchungsstornierungen ein. Durch die Schließung von Weiterbildungseinrichtungen im Zuge des Katastrophenfalles in Bayern folgt nun eine Zeit ohne jegliche Einnahmen. In wenigen Monaten droht deshalb die Zahlungsunfähigkeit, womit ein Insolvenzgrund vorliegt. „Es bestehen keine Verbindlichkeiten gegenüber Vermietern und Lieferanten, auch alle Gehälter und Sozialabgaben sind überwiesen“, stellt Gerhard Hartmann fest.

Politische Bildung ist gerade jetzt unverzichtbarVorstandsvorsitzender Prof. Eberhard Grötsch appelliert: „Politische Erwachsenenbildung ist und bleibt unverzichtbar – gerade in Zeiten, in denen die Grundlagen unserer Demokratie in Frage gestellt werden“. Die Gesellschaft für Politische Bildung sucht deshalb in den kommenden Monaten den Dialog mit Institutionen der Zivilgesellschaft, lokaler und regionaler Politik. Das Ziel wird sein, die politische Bildungsarbeit in der Region neu zu denken und unter veränderten Rahmenbedingungen fortzusetzen. Hierzu will der Trägerverein nach Möglichkeit fortbestehen, wozu auch die Option eines Insolvenzplanverfahrens dienen soll.

Für den Großteil der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Akademie Frankenwarte bedeutet die Betriebspause derzeit Kurzarbeit, und letztlich den Verlust langjähriger Arbeitsplätze. „Dies bedaure ich am allermeisten“, sagt die Leiterin der Akademie Frankenwarte Stephanie Böhm, „haben sie doch in den vergangenen Jahren größte Anstrengungen auf sich genommen, um unseren Betrieb auch unter schwierigen Bedingungen aufrecht zu erhalten. Dafür gebührt ihnen der Dank der Gesellschaft für Politische Bildung und der von tausenden zufriedenen Gästen unseres Hauses.“ Mit Blick auf künftige Programme erklärt Stephanie Böhm: „Wir hoffen, dass die Corona-Krise nicht zu lange andauert und die Akademie Frankenwarte in neuer Form eine Zukunft hat. Noch ist offen, ob wir zumindest Teile des bestehenden Jahresprogramms im Sommer und Herbst 2020 durchführen können.“

Zum Profil der Akademie FrankenwarteDie Gesellschaft für Politische Bildung e.V. ist Trägerverein der Akademie Frankenwarte. An diesem Ort werden durch die GfPB pro Jahr etwa 150 Veranstaltungen und Seminare der politischen Bildung durchgeführt. Zugleich ist die Akademie Frankenwarte auch ein mehrfach ausgezeichnetes Tagungshotel mit 47 Zimmern (Einzel- und Zweibettzimmer), welches von Tagungspartnern für eigene Veranstaltungen gebucht werden kann. Insgesamt beherbergt die Akademie Frankenwarte pro Jahr rund 4000 Teilnehmende aus dem In- und Ausland. Beschäftigt sind zehn Personen in Vollzeit und 17 Personen in Teilzeit. Die Akademie Frankenwarte nutzt fünf Gebäude; alle sind angemietet – von der Friedrich-Ebert-Stiftung Berlin, der Arbeiterwohlfahrt Unterfranken und dem Verschönerungsverein Würzburg.

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