Aktuelles aus der Frankenwarte

Ideen für eine soziale, demokratische Wirtschaft

Wie umgehen mit einer Wirtschaft, die nicht immer wachsen kann? Das war die Leitfrage unseres Seminars in Kooperation mit dem Konzeptwerk Neue Ökonomie e.V. Ein Kurzbericht über Post-Wachstum, kleine und große Utopien und mögliche Aufgaben für die Politik.

Es waren fünf Tage intensives Selbst-Nachdenken und -Erarbeiten zu einem weltumspannenden Thema. Also stellen Sie sich doch einmal selbst die Fragen: Was ist das Ziel unseres Wirtschaftens? Was macht ein gutes Leben aus? Brauchen wir all den Luxus? Und von wessen Leben reden wir hier eigentlich? Hier setzen Wachstums-Kritik und Post-Wachstums-Diskurs an. Dies ist ein Sammelbegriff für vielfältige Konzepte und konkrete Projekte, die weit über ökologische Aspekte hinausgehen. Da gibt es kulturelle Kritik am Lebensgefühl des Schneller-Höher-Weiter-Mehr, da gibt es sozio-ökonomische Kritik am kapitalistischen Wirtschaftskreislauf, da gibt es feministische Kritik an unbezahlter Sorge-Arbeit, da gibt es Süd-Nord-Kritik an der Ausbeutung anderer Nationen. Doch drei Ziele einen die Post-Wachstums-Bewegung: Ökologische und soziale Gerechtigkeit sowie die Unabhängigkeit von wirtschaftlichem Wachstum.

Kleine und große UtopienUnter anderem begaben sich die 15 Teilnehmenden des Seminars an der Akademie Frankenwarte in kleine Utopie-Zirkel und entwarfen Schlagzeilen aus dem Jahr 2038. Diese lauteten unter anderem: „Skandal: Wieder mehr Männer in Führungspositionen!“, „Mieten komplett abgeschafft“, „Bedingungsloses gleiches Einkommen für alle“, „24-Stunden-Arbeitswoche umgesetzt“, „Wir sind energieautark“, „Letzte Burnout-Patientin offiziell genesen“, „Letztes Gefängnis zu Konzerthaus umgebaut“ oder „Kindergärten und Seniorenheime sind jetzt Mehrgenerationen-Häuser“.

Utopien

Doch was geschieht bereits 2020? Zwei Beispiele aus dem räumlichen Umfeld der Akademie Frankenwarte stellten sich vor: Zukunftshaus und Verbraucher-Erzeuger-Gemeinschaft Würzburg. Da die Erde uns tatsächlich klare Grenzen setzt und in den Industrienationen große Angst vor Verzicht herrscht, wird technischer Fortschritt immer durch unsere Art des Konsums aufgefressen. „Das Elektroauto, der energiesparende Kühlschrank oder das energetisch sanierte Haus auch in 20 Jahren so zu nutzen wie jetzt – das hilft unserem Planeten auch nicht“, sagt Matthias Pieper, und hat deshalb die Initiative Zukunftshaus ins Leben gerufen. Das Zukunftshaus möchte eine Alternative für Menschen mit hohem ökologischen und sozialen Bewusstsein sein. Kaufen und mieten, tauschen und reparieren soll hier ebenso möglich sein wie Gastronomie und Co-Working-Angebote. Die Verbraucher-Erzeuger-Gemeinschaft Würzburg setzt auf direkten Kontakt zwischen Erzeuger*innen und Verbraucher*innen in der Region, ermöglicht über einen Solidarbeitrag auch Mitgliedern mit kleinem Geldbeutel den Konsum ökologischer Lebensmittel, bietet Vorträge, Kochabende und Filmvorführungen zu Umwelt- und Naturschutz an.

Politische Post-Wachstums-MaßnahmenAuch die große Politik muss die sozial-ökologische Transformation von Anfang an begleiten und gerecht gestalten. Szenarien auf dem Weg in die Post-Wachstums-Gesellschaft wurden viele diskutiert. Denken auch Sie mal nach, zum Beispiel über

  • Einen Schuldenschnitt für alle (mal abgesehen für die, die mit ihrem Geld spekulieren);
  • Ein Grund- bzw. Maximaleinkommen;
  • Eine drastische Reduktion von Werbung;
  • Eine „Grüne“ Steuerreform, die umweltfreundliches Verhalten fördert;
  • Den Stopp umweltschädlicher Subventionen.

Mehr Zum ThemaZum Nachhören: Vom Zauber einer Zahl - Die Erfindung des Wirtschaftswachstums
Zum Nachlesen: Degrowth/Postwachstum – Ein Buch von Matthias Schmelzer und Andrea Vetter vom Konzeptwerk Neue Ökonomie
Zum Weiterdenken: Zeitwohlstand. Ein Buch zum Download beim Konzeptwerk Neue Ökonomie
Zum Mitdiskutieren: Schlägt in der Krise die Stunde der Postwachstumsökonomie – eine Debatte bei Tagesspiegel Causa

Viele verschiedene spannende Initiativen, die unser Leben verändern wollen:
www.regiogeld.de
www.degrowth.net
www.foodsharing.de
www.mountainwilderness.ch
www.transition-initiativen.de
www.teamglobal.de
www.globaleslernen.de
www.wir-haben-es-satt.de
www.slowfood.de
www.solidarische-landwirtschaft.org
www.plurale-oekonomik.de
www.mehr-demokratie.de

Sebastian Haas

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