Aktuelles aus der Frankenwarte

Corona, Verschwörungen und Demokratie in Gefahr

Der Übergang in die Programmphase in Zeiten von Corona-Beschränkungen ist geglückt – wir haben Seminare ins World Wide Web verlegt. Besonderes Augenmerk legen wir weiterhin auf die Prävention gegen Rechtsextremismus. Zwei Online-Seminare beschäftigten sich mit Verschwörungstheorien rund um Covid-19.

Denn in Zeiten von Falschnachrichten, Filterblasen und aufgeregten Diskussionen ist Aufklärung wichtiger denn je. Referentin Birgit Mair, Mitbegründerin des Nürnberger Instituts für sozialwissenschaftliche Forschung, Bildung und Beratung e.V. (ISFBB), ist Rechtsextremismus-Expertin für den Raum Nordbayern und hat mehrere Bücher und Ausstellungen zu Strategien gegen Neonazismus und Rassismus veröffentlicht. 

Verschwörungstheorien rund um das Corona-Virus sind in die Mitte der Gesellschaft vorgedrungen. Über Messenger-Dienste werden Nachrichten mit obskuren Videos verschickt. „Wie bei allen Verschwörungsmythen wird behauptet, dass es im Geheimen operierende Gruppen gibt, die mit einem systematischen Plan die Kontrolle über Institutionen, Länder oder sogar die ganze Welt übernehmen wollen“, erläuterte Mair. 

Beispiele für Verschwörungstheorien

Fünf krude Beispiele, die vor allem auf rechten Medienportalen Verbreitung finden: Erstens sei das Corona-Virus in einem chinesischen Labor gezüchtet und absichtlich verbreitet worden. Zweitens wolle Microsoft-Gründer Bill Gates die Weltbevölkerung zwangsimpfen und mit Mikrochips versehen lassen. Drittens verbreite der neue Mobilfunkstandard 5G Covid-19 – bzw. das Virus sei eigentlich eine durch Mobilfunk-Strahlung verbreitete Krankheit. Viertens sei das Corona-Virus nicht gefährlicher als eine normale Grippe; die Regierungen würden zum eigenen Machterhalt die derzeitigen Beschneidungen der Grundrechte dauerhaft einrichten. Dass präventive Maßnahmen die Virus-Pandemie eingedämmt haben, wird in dieser Argumentation geflissentlich ausgeblendet. 

Die fünfte Verschwörungstheorie spottet eigentlich jeglicher Beschreibung: die zutiefst antisemitische QAnon-Verschwörung. Ihre Anhänger gehen davon aus, satanische Mächte Kinder in unterirdischen Lagern foltern und aus ihnen einen verjüngenden Stoff gewinnen würden. Als Täter werden jüdische Menschen wie George Soros markiert. Mittelalterliche, antijüdische Ritualmordlegenden werden hier wieder hoffähig gemacht. Die Corona-Pandemie sei zudem nun ein Ablenkungsmanöver des liberalen Establishments – denn gleichzeitig versuchten angeblich Donald Trump und das US-Militär in einer Geheimoperation die Kinder zu befreien. Über so genannte dashboards im Internet verbreite die geheime Person „Q “  Nachrichten an ihre Anhänger, die „Anons“. So abstrus das klingen mag – diese Verschwörungstheorie hatte tatsächlich schon fatale Folgen im realen Leben: „Die Attentäter von Hanau und Celle haben sich beide auf die QAnon-Ideologie bezogen“, berichtete Birgit Mair.

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Diese Fotos hat unsere Referentin Birgit Mair bei Demonstrationen in Nürnberg aufgenommen.

Die Corona-Rebellen

Für intensive Diskussionen unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern sorgten auch Mairs Berichte von den Demonstrationen der selbst ernannten „Corona-Rebellen“, die sie seit Ende März in Nürnberg beobachtet hat. Einerseits können diese Demonstrationen als berechtigter Protest gegen die Grundrechts-einschränkenden Maßnahmen der Bundes- und Landesregierungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie gesehen werden. Andererseits verstießen viele Teilnehmende gegen eben diese Maßnahmen, indem sie zum Beispiel Sicherheitsabstände nicht einhielten, und demonstrierten eben gleichzeitig mit Rechtsextremen. So entstehe eine gefährliche Art der Bürgerbewegung, die Friedensbewegte und Neonazis, Impfgegner und Reichsbürger, Esoteriker und Rechtsextreme zusammenbringe – wissentlich oder unwissentlich, und zu großen Teilen unter Bezug auf das Grundgesetz.

Die insgesamt 50 Teilnehmenden an zwei Online-Terminen waren sich einig: Das Angebot hat ihnen geholfen, sich strukturierter mit dem Themenfeld der Verschwörungstheorien zu beschäftigen, eigene und andere Denkweisen zu hinterfragen und selbstbewusst in die Diskussion zu gehen.

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